Inflationserwartungen in den USA steigen vor Fed-Sitzung
Die Inflationserwartungen in den USA sind laut der endgültigen Oktober-Umfrage der University of Michigan gestiegen. Damit nahm die Sorge vor Inflation im Vorfeld der Sitzung der Federal Reserve am 27.–28. Oktober zu. Die Erwartungen für das kommende Jahr stiegen von 4,6 % im September auf 4,7 %, während die langfristigen Erwartungen von 3,4 % auf 3,5 % zunahmen. Beide Messwerte stiegen den zweiten Monat in Folge und erreichten den höchsten Stand seit Mai.
Die Verbraucherstimmung blieb mit 48,0 nahezu unverändert, verglichen mit 48,1 im September. Der Index der aktuellen Lage sank auf 46,7, während der Erwartungsindex leicht auf 48,8 stieg. Laut der Umfrage belasten Sorgen um die Erschwinglichkeit und hohe Zinsen die Käufe langlebiger Güter.
Die Werte spiegeln die Erwartungen der Haushalte wider, nicht die tatsächliche Verbraucherpreisinflation oder die eigenen Prognosen der Federal Reserve. Sie bestimmen die Zinsentscheidung der Fed nicht. Bei Bitcoin und Ethereum hängt die Marktwirkung davon ab, wie die Verantwortlichen anhaltende Inflationssorgen gegenüber der schwächeren Lage der Haushalte abwägen. Höhere Zinsen können die Risikobereitschaft dämpfen, während Inflationssorgen das Interesse an knappen Vermögenswerten stützen könnten. Händler dürften sich eher auf die Entscheidung und die Hinweise der Fed konzentrieren, als die Umfrage als eigenständiges Bitcoin-Signal zu betrachten.
Neutral
Die Umfrage ist ein relevantes makroökonomisches Signal, legt jedoch keine klare Richtung für die Kryptopreise fest. Höhere Inflationserwartungen könnten die Federal Reserve bei einer Lockerung der Geldpolitik vorsichtiger machen. Wenn Händler deshalb mit länger anhaltend höheren Zinsen rechnen, könnten die Renditen von US-Staatsanleihen und der Dollar steigen, sich die Finanzierungsbedingungen verschärfen und die Nachfrage nach volatilen Anlagen wie Bitcoin und Ethereum nachlassen. Einige Anleger könnten anhaltende Inflation hingegen als Grund ansehen, knappe Vermögenswerte zu suchen. Aufgrund dieser gegenläufigen Wirkungswege ist der Nettoeffekt ungewiss.
Kurzfristig dürften die Entscheidung und die Signale der Fed wichtiger sein als die Umfrage selbst. Händler könnten auf Veränderungen bei den Zinserwartungen, Anleiherenditen, dem Dollar und der Risikostimmung reagieren; Hebeleinsatz und Liquiditätsbedingungen könnten die Kursbewegungen verstärken. Auch in früheren Phasen überraschender Inflationsdaten wirkte sich dies tendenziell über veränderte Erwartungen an die Geldpolitik auf Kryptowährungen aus, statt eine verlässliche Reaktion in nur eine Richtung auf die Inflationsdaten hervorzurufen.
Langfristig ergänzt die Umfrage den Kontext für den Inflationsausblick, ist aber nur ein Maß für die Erwartungen der Haushalte. Sie sollte zusammen mit der tatsächlichen Inflation, der Beschäftigung, dem Wachstum und der Kommunikation der Fed bewertet werden. Der nahezu unveränderte Stimmungswert und der schwächere Index der aktuellen Lage deuten zudem auf Belastungen der Haushalte hin und erschweren die Einschätzung der geldpolitischen Lage. Daher ist diese Veröffentlichung allein keine solide Grundlage für eine bullische oder bärische Positionierung bei Kryptowährungen; auch ihre wahrscheinliche direkte Auswirkung auf die Marktstabilität ist begrenzt.